Philharmonie Schwäbisch Gmünd e.V.

Konzertarchiv

Beethoven, Fauré, Dvořák
12. November 2022



  • Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61

    Gabriel Fauré (1845-1924)
    Masques et Bergamasque op. 112

    Antonín Dvořák (1841-1904)
    Tschechische Suite in D-Dur op. 39

    Dirigent: Knud Jansen

    Anton Tkacz, Violine

Komponisten und Werkbeschreibungen



  • Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Konzert für Violine und Orchester D-Dur op. 61


    Das Violinkonzert von Beethoven ist eines der zentralen Werke der Sololiteratur für Violine. Das als einst von vielen zeitgenössischen Geigern als „unspielbar“ geltende Konzert, fand erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wieder den Weg zurück in das Repertoire der Musikwelt. Wie in kaum einem anderen Werk findet sich hier eine Symbiose von hoher Virtuosität und volksnaher Melodik wieder. Es ist ein klassisches Meisterwerk mit einer Vollkommenheit, die aus der zunächst ungewöhnlich erscheinenden formalen Form des ersten Satzes hervorgeht. Diese entspricht zunächst alles andere als einer Sonatenform. Geht man aber in die nähere Analyse des Satzes, so ergibt sich durch die Reihenfolge und Wiederkehr der Elemente, also der Themen und Motive, eine verblüffend klare und strenge Ordnung von geradezu mathematischer Genauigkeit. Diesem zu Grunde liegend kommt es einem heute vielleicht sehr überraschend vor, wenn man die Kritiken von damals liest. Das Werk wurde bei seiner Uraufführung in Wien am 23. Dezember 1806 sehr kühl aufgenommen. Die allgemeine Reaktion auf Beethovens Musik wird wahrscheinlich besser von einer Kritik zusammengefasst, die am 8. Januar 1807 in der Wiener Zeitung für Theater, Musik und Poesie erschien:

    Das Urtheil von Kennern [...] gesteht demselben manche Schönheit zu, bekennt aber, dass der Zusammenhang oft ganz zerrissen scheine, und die unendlichen Wiederholungen einiger gemeinen Stellen leicht ermüden könnten. Es sagt, dass Beethhofen (sie ] seine anerkannt grossen Talente, gehöriger verwenden, und uns Werke schenken möge, die seinen ersten Symphonien aus C und D gleichen, seinem anmuthigen Septette aus Es [...].

    Ungeachtet der relativ kühlen Aufnahme des Werkes durch das Publikum, trat der in London ansässige Verleger und Komponist Muzio Clementi an Beethoven heran mit der Bitte um eine vertragliche Bindung. Schließlich erschienen sowohl das Violinkonzert als auch seine Bearbeitung für Klavier, die Beethoven auf Clementis ausdrücklichen Wunsch hin erstellte, in den Jahren 1808 bzw. 1810 bei Clementi im Druck. Trotz der Drucklegung blieb jedoch das Konzert eher selten gespielt und weilte quasi in einem Dornröschenschlaf, bis 1844 - Beethoven war bereits 17 Jahre tot - der erst 13-jährige Joseph Joachim das Werk in einem Londoner Konzert unter Leitung Felix Mendelssohn-Bartholdys spielte. Ab dieser Aufführung begann das breitere musikalische Publikum schließlich die herausragenden Qualitäten des Werkes zu erkennen.

    Das Entstehungsjahr 1806 muss für Beethoven dennoch ein sehr ertragreiches und wohl auch materiell erfolgreiches Jahr gewesen sein, was daraus hervorgeht, dass Werke wie die 4. Sinfonie, die 32 Variationen für Klavier in c-Moll oder die Appassionata op. 57 entstanden sind.



  • Gabriel Fauré (1845-1924)
    Masques et Bergamasque op. 112


    In seinem Werk „Masques et Bergamasque“ spielt Gabriel Fauré mit der Sehnsucht nach der Idylle des Landlebens und einer längst vergangenen Zeit. Den Kompositionsauftrag bekam Fauré von Fürst Albert I. von Monaco. Die Uraufführung der ursprünglichen Fassung, einer aus 8 Bühnenstücken bestehenden Theaterunterhaltung mit Chorszenen und gesprochenen Dialogen, war im Jahre 1919 in Monte Carlo. Daraus entstand die im heutigen Konzert aufgeführte Orchestersuite aus vier Sätzen. Eröffnet wird die Suite durch eine Ouvertüre, nach deren Uraufführung Fauré an seine Frau schrieb: „(Der Komponist) Reynaldo Hahn sagt, dass die Ouvertüre so klingt, als würde Mozart Fauré imitieren – eine amüsante Idee.“ Darauf folgen zwei stilisierte höfische Tänze, ein Menuett und eine beschwingte Gavotte. Die Krönung der Suite bildet die Pastorale, in der Fauré das Eröffnungsthema der Ouvertüre als Gegenmelodie zurück bringt. Es entsteht eine idyllische Traumlandschaft, die er durch weite Melodiebögen der Streicher, Harfenarpeggien sowie den typischen Hirteninstrumenten wie Oboe und Flöte behutsam entwickelt. Die Pastorale ist der einzige Teil der Suite, der speziell für das Divertissement von 1919 geschrieben wurde. Nectoux bewertet es als "Vintage Faure" und zitiert "aufeinanderfolgende Blockharmonien, weite melodische Sprünge ... das Nebeneinander von melodischen Segmenten zur Bildung der Exposition und die Leichtigkeit, mit der sich die Entwicklungen entfalten". Seiner Ansicht nach wird die Süße des Satzes durch ausdrucksstarke harmonische Zusammenstöße gemildert.



  • Antonín Dvořák (1841-1904)
    Tschechische Suite in D-Dur op. 39


    Dvořák beherrschte es wie kaum ein anderer Komponist, die folkloristischen Klänge seiner Heimat in meisterhaft arrangierte Werke zu verwandeln. Dies brachte ihm den Ehrentitel „Böhmischer Brahms“ ein, was durchaus seine Berechtigung hatte. Denn durch das makellose Beherrschen der kompositorischen Kunst vermochte er es immer wieder, die ästhetischen Ideale der absoluten Vollkommenheit der Musik seines acht Jahre älteren deutschen Kollegen Brahms mit volkstümlich anmutenden Klängen zu verbinden.

    Dvořák begann mit der in diesem Konzert vorgetragenen Suite im März 1879 und arbeitete an dem Werk parallel zur Komposition seines Streichquartetts op. 51. Ursprünglich wollte Dvořák eine weitere Serenade komponieren, jedoch entschied er sich um zu einer Suite mit tschechischen Volkstänzen ähnlich wie in seinen Slawischen Tänzen. Der Name „Tschechische Suite“ wurde erst bei der Uraufführung festgelegt, die am 16. Mai 1879 im Interimstheater (Prozatímní Divadlo) in Prag unter der Leitung von Adolf Čech stattfand. Im deutschen Sprachraum wird das Werk gelegentlich auch als „Böhmische Suite“ bezeichnet.

    Besonders im dritten Satz fällt die Vermischung westlicher und slawischer Traditionen auf, denn die Sousedská (ein dem deutschen Ländler vergleichbarer böhmischer Volkstanz) hat mit dem höfischen Menuett, das im 17. und 18. Jahrhundert fester Bestandteil einer jeden Suite war, außer dem Dreivierteltakt nichts gemein. Wie die gesamte Suite kann man diesen Satz je nach Belieben also tschechisch/ böhmisch oder westeuropäisch, bestenfalls slawisch eingefärbt interpretieren.