Philharmonie Schwäbisch Gmünd e.V.

Konzert

Borodin, Liszt, Dvořák



  • Samstag 17. November 2018, 20 Uhr
    CCS Stadtgarten Schwäbisch Gmünd, Peter-Parler-Saal
    Konzerteinführung 19 Uhr


    Alexander Borodin (1833–1887)
    Eine Steppenskizze aus Mittelasien

    Franz Liszt (1811-1886)
    Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur

    Antonín Dvořák (1841-1904)
    Symphonie Nr. 5 in F-Dur, op. 76

    Solist: Vincent Herrmann, Klavier

    Leitung: Knud Jansen

Komponisten und Werkbeschreibungen



  • Alexander Borodin (1833-1887):
    Steppenskizze aus Mittelasien


    „Für andere ist die Komposition Aufgabe, Arbeit, Pflicht, bedeutet sie das ganze Leben; für mich ist sie Ruhe, Spaß, eine Laune, die mich von meinen offiziellen Pflichten als Professor, Wissenschaftler ablenkt.“ (A. Borodin)

    Ein hochbegabter Mediziner und Naturwissenschaftler, lebt Alexander Borodin zeit seines Lebens in mehreren verschiedenen Welten. Im Alter von 29 Jahren wird er Professor für organische Chemie in St. Petersburg, ist ein, für damalige Verhältnisse völlig ungewöhnlich, langjähriger enthusiastischer Förderer des medizinischen Frauenstudiums (auf einer Kranzschleife bei seiner Beisetzung stand: DEM GRÜNDER, BEWAHRER UND STREITER FÜR MEDIZINISCHE FRAUENKURSE, DEM FREUND UND BESCHÜTZER DER LERNENDEN JUGEND – DIE ÄRZTINNEN VON 15 JAHRGÄNGEN 1872–1887), ist primär ein in seinem Wirken bis heute noch bedeutender Naturwissenschaftler, der aber als Komponist dennoch internationalen Ruhm erwarb. Als Mitglied der Komponistengruppe „Das mächtige Häuflein“ (dessen bekanntester Komponist bekanntermaßen Modest Mussorgskij ist) ist er ein glühender Verfechter einer national-russisch geprägten Musik. Sein Werk ist durchdrungen von russischer Volksmusik sowie von impressionistischem Kolorit. Nur wenige seiner Kompositionen sind heute noch im Konzertsaal präsent, wobei die Sinfonische Dichtung „Steppenskizze aus Mittelasien“ sich auch heute noch einer großen Beliebtheit erfreut. Er selbst gab diesem Werk folgendes Programm mit auf den Weg:

    „In der einförmigen Steppe Mittel-Asiens erklingen die bisher fremden Töne eines friedlichen russischen Liedes. Aus der Ferne vernimmt man das Getrappel von Pferden und Kamelen und den eigentümlichen Klang einer morgenländischen Weise. Eine einheimische Karawane nähert sich. Unter dem Schutz der russischen Waffen zieht sie sicher und sorglos ihren weiten Weg durch die unermessliche Wüste. Weiter und weiter entfernt sie sich. Das Lied der Russen und die Weise der Asiaten verbinden sich zu einer gemeinsamen Harmonie, deren Widerhall sich nach und nach in den Lüften der Steppe verliert.“



  • Franz Liszt (1811-1886):
    Klavierkonzert Nr. 1 Es-Dur


    Franz Liszt, der als der Klaviervirtuose par excellence galt und unzählige zukunftsweisende Klavierwerke geschrieben hatte, vollendete seine beiden Klavierkonzerte erst nachdem er kompositorisch eigentlich schon dem Virtuosentum entsagt hatte. Obwohl schon Entwürfe und Skizzen aus früherer Zeit vorhanden waren, hat er das erste Klavierkonzert in Es-Dur erst im Alter von 43 Jahren vollendet, dann am 17. Februar 1855 in Weimar zur Uraufführung gebracht. Er selbst spielte den Klavierpart, Hector Berlioz dirigierte.
    Formal brachten seine Klavierkonzerte einschneidend Neues: Um nicht durch ein Weiterführen der klassischen Form in der Art Beethovens in einer Art Klassizismus zu erstarren, entwickelte er ein neues Kompositionsprinzip, das auf einer improvisatorisch anmutenden Entwicklung großer Formen aus wenigen motivischen Keimzellen, die in vielfach verwandelter Gestalt auftreten, beruht. Das ergab eine motivische Durchdringung der Teile und die Verschmelzung zur einsätzigen Konzeption, in der die einzelnen „Sätze“ nahtlos ineinander übergehen. Trotzdem lässt sich im Es-Dur-Konzert die vierteilige Form deutlich erkennen. Der heroische Grundzug des ganzen Konzertes hat die Pianisten zu allen Zeiten fasziniert und dem Konzert zu einem bevorzugten Platz in der Klavierliteratur verholfen. Die genialen Erweiterungen der harmonischen und koloristischen Elemente, die improvisatorisch anmutenden Zwischenspiele, die neuartige Form des Zusammenspiels zwischen Solist und Orchester haben dem Konzert einen ungeheuren Reiz gegeben, der auch heute noch ungeschmälert besteht.



  • Antonin Dvořák (1841-1904):
    Symphonie Nr. 5, F-Dur op. 76


    Bis zu Beginn der siebziger Jahre war Dvořák auch in seiner tschechischen Heimat nur mäßig bekannt gewesen. Dies änderte sich dann grundlegend dadurch, dass er von 1874 bis 1877 ein österreichisches Staatsstipendium erhielt, vornehmlich durch die Juroren Eduard Hanslick und Johannes Brahms unterstützt, welches ihm zu internationaler Anerkennung verhalf. In diese Zeit hinein fällt die Entstehung der 5. Symphonie. Sie ist chronologisch eigentlich seine dritte Symphonie, wurde aber später als „op.76“ geführt, mit einer höheren Opuszahl als die beiden nachfolgenden, später komponierten Symphonien „op.60“ und „op.70“. Das Werk, das des Öfteren als seine „Pastoralsymphonie“ bezeichnet wird, hat mit diesem Begriff neben der Tonart F-Dur auch die heitere Grundstimmung und einen typisch böhmischen Charakter gemeinsam. Dvořák zog sich in der damaligen Zeit im Sommer meist auf einen böhmischen Landsitz zurück, um ungestört komponieren zu können. Dort entstand auch im Sommer 1875 seine 5. Symphonie. Zwischen der Vollendung und der Uraufführung lag ein ungewöhnlich langer Zeitraum von circa vier Jahren. Johannes Brahms hatte in der Zwischenzeit dem aufstrebenden jungen Komponisten zum internationalen Durchbruch verholfen. Am 25. März 1879 kam es in Prag zur Uraufführung unter Leitung von Adolf Čech.

Solist Vincent Herrmann



  • Vincent Herrmann wurde 1992 in Stuttgart geboren. Im achten Lebensjahr begann er mit dem Klavierspiel. An der Stuttgarter Musikschule wurde er von Monika Giurgiuman intensiv gefördert. Sein breites Interesse an der Musik führte ihn bald auch zur Komposition. Ein entsprechendes Doppelstudium nahm er an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart auf: Klavier bei Kirill Gerstein und Komposition bei Caspar Johannes Walter. Sein Bachelor Studium schloss mit Auszeichnung ab. Inzwischen setzt er seine Ausbildung im Master-Studiengang bei Michael Hauber fort und beschäftigt sich im Rahmen eines Studiums der Musikinformatik zusätzlich vertieft mit der Schnittstelle von Musik und Technologie.

    Als Pianist und Kammermusiker konnte Vincent Herrmann bereits zahlreiche Wettbewerbserfolge und Auszeichnungen feiern: Unter anderem erreichte er mehrere 1. Bundespreise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“, 1. Preise beim Matthaes-Klavierwettbewerb und dem internationalen Kammermusik-Wettbewerb „Charles Hennen“, sowie den Bruno-Frey- Musikpreis. In renommierten Wettbewerben wie dem TONALi-Grand Prix Hamburg und dem Busoni-Wettbewerb Bozen erreichte er die Finalrunde.

    Seit seinem Debüt als Konzert-Solist 2006 tritt er regelmäßig als Solist mit verschiedenen Orchestern auf, unter anderem auch mit eigenen Werken. So konzertierte er mehrfach mit den Bergischen Symphonikern und dem Akademischen Orchester Stuttgart sowie mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.